Ein Zungenpiercing und gesunde Zähne schließen sich nicht aus, doch der Schmuck setzt den Zahnschmelz unter Dauerbelastung. Die Zunge besteht aus 8 Muskeln und zählt zu den stärksten Muskeln des Körpers, weshalb das ständige Anstoßen eines Piercings an die Zähne über Jahre Spuren hinterlässt. Viele Träger fragen sich: Macht ein Zungenpiercing die Zähne kaputt? Studien berichten abgesplitterte oder gebrochene Zähne bei 14 bis 41 % der Träger und Zahnfleischrückgang bei rund 35 % der Langzeitträger. Dieser Beitrag zeigt, welche 3 Materialgruppen Sie meiden sollten, warum ein zahnschonendes Zungenpiercing aus Kunststoff weniger Schaden anrichtet und wie Sie mit 5 Maßnahmen Ihre Zähne schützen, ohne auf den Schmuck zu verzichten. Bei bereits entstandenen Defekten versorgt die kosmetische Zahnheilkunde abgebrochene Kanten und sichtbare Schäden.
Die Informationen in diesem Artikel dienen ausschließlich Bildungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Konsultieren Sie eine qualifizierte zahnärztliche Fachkraft, bevor Sie Behandlungsentscheidungen treffen.
Macht ein Zungenpiercing die Zähne kaputt?
Ein Zungenpiercing macht die Zähne kaputt, indem der harte Schmuck beim Sprechen, Essen und unbewussten Spielen wiederholt gegen den Zahnschmelz schlägt. Die Zunge bewegt den Barbell bei jeder Aktivität, sodass die Kugeln des Piercings tausende Male täglich auf die Innen- und Kauflächen der Zähne treffen. Längere Barbell-Stäbe und eine längere Tragedauer erhöhen das Risiko für Absplitterungen und Zahnfleischrückgang deutlich (Campbell et al., 2002).
Welche Zahnschäden verursacht ein Zungenpiercing?
Die häufigsten Zahnschäden durch ein Zungenpiercing sind 4 klar dokumentierte Folgen: Risse im Zahnschmelz, abgesplitterte Zahnecken und Kanten, Zahnfleischrückgang an den unteren Schneidezähnen und eine langsame Verschiebung der Frontzähne. Sind die Frontzähne bereits abgesplittert oder die Kanten beschädigt, stellt die kosmetische Zahnheilkunde die natürliche Form und Optik wieder her. Die Schäden entstehen schleichend, weshalb viele Träger sie erst nach Jahren bemerken.
Studien berichten abgesplitterte oder gebrochene Zähne bei etwa 14 bis 41 % der Träger eines Zungenpiercings (Levin et al., 2005). In der Untersuchung von Campbell et al. (2002) zeigte sich bei rund 35 % der Träger mit langem Barbell-Stab ein Zahnfleischrückgang an den unteren Schneidezähnen.
Welche Materialien für Zungenpiercings sollten Sie vermeiden?
Vermeiden sollten Sie Zungenpiercings aus harten Metall-Legierungen, da Titan, Chirurgenstahl und Platin den Zahnschmelz bei jedem Kontakt wie ein Dauerbeschuss angreifen. Diese Legierungen sind überwiegend nickelfrei und lösen dadurch seltener Allergien aus, doch ihre extreme Härte überträgt die volle Kraft der Zungenbewegung auf die Zähne. Gold und Silber wirken weicher, eignen sich wegen ihres Abriebs jedoch ebenfalls schlecht für ein Zungenpiercing.
Auch Naturmaterialien wie Horn, Elfenbein und Knochen werden zu Zungenpiercings verarbeitet und gelten als entschärft. Sie erfordern allerdings eine sehr saubere Verarbeitung, denn unebene Oberflächen können die Mundschleimhaut verletzen oder zum Anwachsen von Gewebe führen. Die folgende Tabelle ordnet die gängigen Materialgruppen nach ihrem Risiko für die Zähne ein.
| Materialgruppe | Beispiele | Risiko für die Zähne |
|---|---|---|
| Harte Metall-Legierungen | Titan (Ti6Al4V ELI), Chirurgenstahl, Platin | Hoch |
| Edelmetalle | Gold, Silber | Mittel (Abrieb) |
| Naturmaterialien | Horn, Elfenbein, Knochen | Mittel (Verarbeitung) |
| Kunststoffe | PTFE, Acryl, Bioplast | Gering |
Sind Kunststoff-Zungenpiercings zahnschonend?
Kunststoff-Zungenpiercings sind zahnschonend, weil PTFE, Acryl und Bioplast ein geringeres Gewicht besitzen und mit ihrer weichen Oberfläche weniger Schlagkraft auf den Zahnschmelz übertragen als Edelstahl-Legierungen. Diese Kunststoffe sind ebenso frei von Allergenen wie medizinisches Metall und schonen die Zähne bei jedem Kontakt.
Ein Problem bleibt jedoch bestehen. Das Piercing als Fremdkörper verleitet zum unbewussten Anpressen der Zunge an die Vorderzähne, wodurch sich diese im Kronenbereich langsam nach außen verschieben können. Im Prinzip wirkt dieser Druck wie eine Zahnspange in umgekehrter Richtung. Ein bewusster Umgang mit dem Schmuck bleibt deshalb auch bei einem zahnschonenden Zungenpiercing aus Kunststoff entscheidend.
Wie schützen Sie Ihre Zähne mit einem Zungenpiercing?
Ihre Zähne schützen Sie, indem Sie das Material wechseln, den Barbell kürzen und das Spielen mit dem Piercing bewusst einstellen. Längere Stäbe geben der Zunge mehr Hebel und treffen die Zähne häufiger, weshalb ein kurzer Barbell das Risiko nachweislich senkt (Campbell et al., 2002). Die folgenden 5 Maßnahmen schützen Zähne und Zahnfleisch wirksam:
- Wechseln auf ein Kunststoff-Piercing aus PTFE oder Acryl
- Kürzen des Barbells nach der Abheilung auf etwa 12 bis 14 Millimeter (1,2 bis 1,4 cm)
- Vermeiden des bewussten Spielens mit der Zunge an den Zähnen
- Kontrollieren des Sitzes und der Verschraubung der Kugeln
- Untersuchen lassen der Frontzähne durch die Zahnärztin oder den Zahnarzt alle 6 Monate
Wer sich die Kombination aus Zungenpiercing und Überbiss bewusst macht, hält die Zunge eher im Zaum, im wörtlichen Sinne. Treten trotz dieser Maßnahmen Beschwerden auf, klärt eine zahnärztliche Kontrolle den Handlungsbedarf.
Wann sollten Sie wegen eines Zungenpiercings zum Zahnarzt gehen?
Zum Zahnarzt sollten Sie gehen, sobald Sie abgesplitterte Kanten, freiliegende Zahnhälse, Zahnfleischrückgang oder wandernde Frontzähne bemerken. Ein Zungenpiercing verursacht über Materialwahl und Tragedauer hinaus weitere Fragen rund um Zahnfleisch, Zahnstellung und Heilung, die für die langfristige Gesundheit Ihrer Zähne wichtig sind.
Verursacht ein Zungenpiercing Zahnfleischrückgang?
Ein Zungenpiercing verursacht Zahnfleischrückgang, weil die Kugel des Barbells dauerhaft gegen das Zahnfleisch der unteren Schneidezähne drückt. Bei ausgeprägtem Rückgang stellt die parodontale Chirurgie das verlorene Gewebe wieder her und deckt freiliegende Zahnhälse ab. Der Rückgang nimmt mit längerer Tragedauer und längerem Barbell-Stab zu (Campbell et al., 2002).
Kann ein Zungenpiercing die Zähne verschieben wie eine Zahnspange?
Ein Zungenpiercing kann die Zähne verschieben, weil das wiederholte Anpressen der Zunge die Frontzähne langsam nach außen drückt. Dieser Dauerdruck wirkt ähnlich wie eine kieferorthopädische Apparatur, nur ohne ärztliche Kontrolle und Zielrichtung. Eine entstandene Lücke oder ein offener Biss bleibt bestehen, solange der auslösende Druck nicht endet.
Wie lassen sich abgesplitterte Zähne durch ein Zungenpiercing reparieren?
Abgesplitterte Zähne durch ein Zungenpiercing lassen sich mit zahnfarbenem Kunststoff oder dünnen Verblendschalen reparieren. Für kleine bis mittlere Defekte an den Frontzähnen modellieren Komposit-Veneers die fehlende Kante in einer Sitzung nach. Die Versorgung gleicht Form und Farbe an die Nachbarzähne an und schützt den freiliegenden Schmelz.
Ist ein Zungenpiercing gefährlich?
Ein Zungenpiercing ist mit gesundheitlichen Risiken verbunden, die über Zahnschäden hinausgehen. Zu den 3 häufigsten Komplikationen zählen Infektionen der frischen Wunde, starke Schwellungen der Zunge und Reizungen der Schleimhaut. Eine fachgerechte Pflege und hochwertiges Material senken diese Risiken deutlich (Hennequin-Hoenderdos et al., 2016).
Wann braucht ein Zahn nach Piercing-Schäden eine Krone?
Ein Zahn braucht nach Piercing-Schäden eine Krone, wenn ein großer Teil der Zahnkrone abgebrochen oder der Schmelz tief eingerissen ist. In diesen Fällen umfassen Zahnkronen den geschwächten Zahn vollständig und stellen seine Belastbarkeit beim Kauen wieder her. Kleinere Defekte kommen dagegen mit einer Füllung oder Verblendung aus.
Wie lange dauert die Heilung eines Zungenpiercings?
Die Heilung eines frischen Zungenpiercings dauert in der Regel 4 bis 6 Wochen. In dieser Zeit schwillt die Zunge zunächst an und benötigt eine vergrößerte Erstkugel, die nach dem Abklingen der Schwellung gegen einen kürzeren Stab getauscht wird. Eine sorgfältige Mundhygiene während der Heilung beugt Infektionen und Belägen am Schmuck vor.
Quellen
- American Dental Association. (2023). Oral Piercings. MouthHealthy.org. https://www.mouthhealthy.org/all-topics-a-z/oral-piercings
- Campbell, A., Moore, A., Williams, E., Stephens, J., & Tatakis, D.N. (2002). Tongue piercing: impact of time and barbell stem length on lingual gingival recession and tooth chipping. Journal of Periodontology, 73(3), 289–297. https://doi.org/10.1902/jop.2002.73.3.289
- Levin, L., Zadik, Y., & Becker, T. (2005). Oral and dental complications of intra-oral piercing. Dental Traumatology, 21(6), 341–343. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1600-9657.2005.00395.x
- Hennequin-Hoenderdos, N.L., Slot, D.E., & Van der Weijden, G.A. (2016). The incidence of complications associated with lip and/or tongue piercings: a systematic review. International Journal of Dental Hygiene, 14(1), 62–73. https://doi.org/10.1111/idh.12118